Rezension „Trümmergöre“ von Monika Held

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Trümmergöre

Erschienen als gebundene Ausgabe

239 Seiten

ISBN: 978-3-8479-0570-7

Erschienen bei Eichborn

 

 

Inhalt

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold und wer schweigt, lügt nicht… Was erzählen und was verschweigen? Schnell und sicher wie eine Fledermaus in der Nacht bewegte ich mich zwischen Reden und Schweigen. Ich hatte früh gelernt, dass auch halbe und viertel Wahrheiten immer noch Wahrheiten waren. Oder warum nannten sie die verkohlten Ruinen in der Stadt immer noch ´Häuser´?“

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Meinung

Jula ist eine erwachsene junge Frau, welche in Hamburg lebt und für sich und ihren Lebensgefährten eine Wohnung sucht. Durch Zufall entdeckt sie, dass die alte Wohnung ihrer Großmutter zum Verkauf steht und sie begibt sich zurück in die Vergangenheit. Doch ist es eine gute Idee mit der Zukunft in der Vergangenheit einzuziehen?

Durch ein paar Buchstaben zwischen Kartoffelschalen auf der Zeitung von gestern habe ich die Wohnung wiedergefunden, in der man mich als Kind abgegeben hatte. Großmutter wird das nicht wundern. Es ist, wie es ist, wird sie sagen, es kommt, wie es kommen muss, da beißt die Maus keinen Faden ab. Seite 11

Jula ist die Tochter eines Diplomanten und gerade vier Jahre alt, als dieser sie bei ihrer Großmutter in der Wielandstraße 3 abliefert. Sie soll dort für einige Zeit bleiben, da er beruflich viel unterwegs sein muss. Jula versteht die Welt nicht mehr. Doch ihre Großmutter bemüht sich sehr um das Mädchen und dann ist da ja auch noch Onkel Hans. Onkel Hans lebt in der gleichen Wohnung wie ihre Großmutter, hat aber ansonsten nichts mit ihr zu tun. Ja er weigert sich mit ihr zu sprechen und sie begegnen sich nie. Die einzige, die Zutritt zu Onkel Hans Zimmer erhält ist Jula. Sie darf zu ihm und er gibt sich wirklich Mühe immer für Jula dazu zu sein. Jula wächst in der Nachkriegszeit in Hamburg. Jula’s Großmutter geht noch den ganzen Tag arbeiten und so werden der Platz von Onkel Hans, er verkauft gebrauchte Autos, und die Trümmer der Stadt zu ihrem Spielplatz. Onkel Hans nimmt Jula immer mit, egal wohin er geht. Dabei scheint ihm nicht wirklich bewusst, dass die Umgebung nicht kindgerecht ist. Denn mit Onkel Hans landet sie mitten im Hamburger Kiez. So macht das Mädchen Hausaufgaben entweder in einer Kneipe auf der Reeperbahn bei Schuten-Ede oder auf dem Hausboot von Ingemusch. Keiner kümmert sich darum, dass Jula ja noch ein kleines Kind ist.  Zwischen Schuten-Ede, Trümmer-Otto und Ingemusch wächst Jula auf, ohne dass sie je ihrer Großmutter davon erzählt. Denn schnell lernt sie, dass man nicht alles, was man tagsüber erlebt habe, Abends erzählen müsse. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold und wer schweigt, kann nicht lügen.

Wir streiften durch die Trümmer der zerbombten Stadt und sammelten Schätze: Ein verbogener Löffel ist ein Schatz, verkohlte Messer und Gabeln, verbogene Brillengestelle, auch Porzellansplitter mit Goldrand von einem geborstenen Kaffeeservice. Trümergören nannte man uns. Seite 115

Jula hat schon als kleines Kind gemerkt, dass mit Onkel Hans etwas nicht stimmt. Das Geheimnis, welches er hütet und ihn belastet ist in jeder Seite des Buches spürbar. Doch so recht versteht weder Jula noch der Leser was es ist. Doch er schafft es Jula den größten Schmerz ihres Lebens zu zufügen, es ist zwar nicht ihr erster, aber wirklich ihr größter. Erst nach und nach, wenn wir mit Jula die Vergangenheit bereisen kommen wir dem Geheimnis auf die Spur. Es dauert lange bis der Leser versteht was genau mit Onkel Hans los ist.

Fazit

Trümmergöre ist ein Roman, welcher zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt. Er erzählt wie stark die Vergangenheit doch die Gegenwart beeinflussen kann und diese auch belasten. Monika Held zeichnet mit sanften Zügen und Schatten die Figuren der Vergangenheit. 4/5 Punkte

 

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