{"id":3988,"date":"2016-04-10T10:44:56","date_gmt":"2016-04-10T10:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/?p=3988"},"modified":"2016-12-26T14:10:53","modified_gmt":"2016-12-26T14:10:53","slug":"rezension-jakobs-mantel-von-eva-weaver","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/?p=3988","title":{"rendered":"Rezension \u201eJakobs Mantel\u201c von Eva Weaver"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800080;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3989 alignleft\" src=\"http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/978-3-426-30442-6_Druck-197x300.jpg\" alt=\"978-3-426-30442-6_Druck\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/978-3-426-30442-6_Druck-197x300.jpg 197w, http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/978-3-426-30442-6_Druck-768x1168.jpg 768w, http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/978-3-426-30442-6_Druck-674x1024.jpg 674w, http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/978-3-426-30442-6_Druck.jpg 1476w\" sizes=\"(max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/>Zum Buch<\/span><\/p>\n<p>Jakobs Mantel<\/p>\n<p>Originaltitel: The Puppet Boy of Warsaw<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung von Werner L\u00f6cher-Lawrence<\/p>\n<p>Erschienen als Taschenbuch<\/p>\n<p>393 Seiten<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-426-30442-6<\/p>\n<p>Erschienen im <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/8143811\/jakobs-mantel\"><span style=\"color: #800080;\">Droemer Verlag<\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #800080;\">Inhalt<\/span><\/p>\n<p>New York 2009. Eines Tages, w\u00e4hrend eines Spaziergangs mit seinem Enkel, glaubt der alte Mika auf einem Plakat den Mantel seines Gro\u00dfvaters Jakob zu sehen. Mit dem Mantel kehrt die Erinnerung an seine Kindheit zur\u00fcck, an die lange verdr\u00e4ngten Schrecken des Warschauer Ghettos und an seine Rettung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-4159 aligncenter\" src=\"http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_4212-300x200.jpg\" alt=\"IMG_4212\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_4212-300x200.jpg 300w, http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_4212-768x512.jpg 768w, http:\/\/1.xn--sommermdchenswelt-wqb.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/IMG_4212-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #800080;\">Gedanken zu dem Buch<\/span><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte euch heute gerne von Mika erz\u00e4hlen. Mika hei\u00dft eigentlich Mikahel Hernsteyn. Er ist Jude und lebte 1938 mit seinem Gro\u00dfvater Jakob Hernsteyn und seiner Mutter Halina in Warschau. Er ist gerade zw\u00f6lf Jahre alt, als sein Gro\u00dfvater sich einen schwarzen Mantel schneidern l\u00e4sst. Sie f\u00fchren ein zufriedenes Leben, die drei. Doch dann kommen die Deutschen. Die Wehrmacht marschiert ein und sie nehmen Polen in Besitz. Gebannt lauschen wir Mika, der die Geschichte seinem 13-j\u00e4hrigem Enkel Daniel erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Mika\u2019s Mutter versucht sie trotz aller Verbote und menschenverachtenden Gesetze irgendwie durchzubringen, w\u00e4hrend sich sein Gro\u00dfvater immer mehr zur\u00fcckzieht und von der Au\u00dfenwelt abschottet. Er arbeitet Stunde um Stunde an seinem Mantel, f\u00fcgt ihm heimlich neue Taschen und Verstecke hinzu, versteckt alle Dinge darin, die f\u00fcr ihn wichtig sind. Briefe, seiner verstorbenen Frau, Fotos seiner Lieben und vieles mehr. Ganz so als ahnte er bereits was ihnen noch alles bevorstehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #808080;\">Es schien mehr als nur ein neuer Mantel zu sein, es war, als z\u00f6ge er in ein neues, gr\u00f6\u00dferes Haus. Seite 23<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahr 1940 m\u00fcssen sie dann ihre Wohnung r\u00e4umen und werden umgesiedelt. Alle j\u00fcdischst\u00e4mmigen Menschen, die in Warschau leben m\u00fcssen in den J\u00fcdischen Wohnbezirk ziehen. Wohnbezirk, wie sie sich das sch\u00f6n reden. Keiner hat das Wort Ghetto in den Mund genommen, aber genau das war es. Es leben so viele j\u00fcdische Menschen in Warschau, dass sie gar nicht alle eine eigene Wohnung bekommen k\u00f6nnen. Sie teilen sich oft zu siebt oder zu acht einen einzigen Raum und von nun an \u00e4ndert sich Mika\u2019s Leben komplett.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #808080;\">Beim Durschreiten des Tors ins Ghetto wurde mir meine Kindheit und alles genommen, was mir lieb und teuer war. Seite 34<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von jetzt an beherrscht die Angst Mika\u2019s Leben. Man m\u00f6chte ihm so gerne aufmunternde und tr\u00f6stende Worte sagen, aber man kann nicht. Was bleibt einem auch \u00fcbrig? Jeder wei\u00df was die Geschichte des Nazi Deutschland so mit sich bringt. Es wird nicht besser. Im Gegenteil. Sie haben im Ghetto noch Gl\u00fcck und bekommen eine eigene Wohnung und in dieser auch noch jeder ein eigenes Zimmer. So auch Mika\u2019s Gro\u00dfvater. Dieses Zimmer darf keiner betreten. Er sperrt es immer ab und dann stirbt Mika\u2019s Gro\u00dfvater, weil er einem M\u00e4dchen helfen will. So erbt Mika den schwarzen Mantel und mit ihm all seine Geheimnisse. Er verbringt Tage damit den Mantel zu erforschen und was er in ihm entdeckt wird ihm noch mehr als nur einmal das Leben retten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #808080;\">Ich denke, der Mantel wurde eine Art R\u00fcstung f\u00fcr mich, und auch ein Zuhause. Er war alles, was ich von meinem fr\u00fcheren Leben noch besa\u00df, die letzte Verbindung zu meiner Familie. Seite 232<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<p>Was nach dem Tod seines Gro\u00dfvaters passiert ist so eindringlich geschrieben, das mich die Emotionen beim Lesen immer wieder \u00fcberw\u00e4ltigt haben. Ich wollte Mika helfen, ihm Mut zu sprechen, ihn warnen und bin doch immer wieder \u00fcberrascht worden von seinem Durchhalteverm\u00f6gen, seiner Kraft, seinem Mut und den unbrechenbarem \u00dcberlebenswillen, der immer wieder durchbricht. Wie viel kann ein Mensch verkraften bevor ihn die Hoffnung verl\u00e4sst? Das habe ich mich des \u00d6fteren in diesem Buch gefragt. Wie viel kann ein Mensch aushalten bis er den Rest Menschlichkeit verliert? Mika lehrt uns, viel sehr viel. Doch immer wieder bricht die Angst \u00fcber ihm herein. Immer wieder plagen in Zweifel und man m\u00f6chte ihm gerne die Hand reichen, kann es aber nicht. Wie gebannt oder paralysiert bin ich durch die Seiten von Mika\u2019s Lebensgeschichte geflogen, musste mir stumme Tr\u00e4nen von Wut und Trauer wegwischen. Zu Anfang habe ich versucht dieses Buch mit einer gewissen Distanz zu lesen, nur nicht zu nah heranlassen, aber Mika hat sich mit seinem Willen zu \u00dcberleben, mit dem Mut allem zu Trotzen in mein Herz geschlichen und schon nach den ersten Seiten hatte ich verloren und die Geschichte hat mich verfolgt. Egal ob bei der Arbeit oder im Schlaf. Ich war gefangen. Gefangen in diesem Buch. Eva Weaver schreibt dieses Buch v\u00f6llig unparteiisch, denn Mika lernt Max Meierhauser kennen, einen deutschen Soldaten. Auch ihn begleiten wir eine Weile durch das Buch und lernen die andere Seite kennen. Die Seite eines deutschen Wehrmachtssoldaten in Sibirien. Eva Weaver schafft es mit viel Fingerspitzengef\u00fchl ein Thema anzusprechen, was nach wie vor schwierig ist. Sie beschreibt zwei Geschichten in ihrem Buch ohne Partei f\u00fcr eine davon zu ergreifen. Sie vermittelt die zwei Seiten des zweiten Weltkrieges, denn auch was die Russen mit den Deutschen in Sibirien gemacht haben geh\u00f6rt nun einmal zum zweiten Weltkrieg und sollte nicht totgeschwiegen werden. Es ist ein Thema, das generell nicht totgeschwiegen werden sollte. Sie bedient sich keinerlei politischen Parolen, womit keinem geholfen w\u00e4re. Weder den Opfern, den \u00dcberlebenden, noch der nachfolgenden Generation. Wir k\u00f6nnen aus diesen Geschichten nur lernen. Lernen nicht zu vergessen! Und immer die Augen offen zu halten, damit sich genau so etwas nie wieder wieder holen wird!<\/p>\n<p>Lange Zeit habe ich gehadert dieses Buch zu lesen. Solche B\u00fccher, ich habe viele davon gelesen, ber\u00fchren mich, lassen mich nicht mehr los, verfolgen mich und ich brauche lange bis ich mich davon wieder erholt habe und Abstand zu ihnen bekomme. Nach diesem Buch f\u00fchle ich mich emotional v\u00f6llig ausgelaugt. Mika ist ein mutiger Junge, aber auch Max hat versucht das Beste daraus zu machen. Keiner der Beiden hatte es besser oder schlechter, beide mussten mit dem Erlebten leben.<\/p>\n<p>Mir bleibt nur eines zu sagen, lest dieses Buch!<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #808080;\">Wann immer du also einen gew\u00f6hnlichen Mantel siehst, denke daran, was in seinen Falten schlummern mag, was f\u00fcr Erinnerungen in seinen Taschen versteckt sein m\u00f6gen. Vielleicht fl\u00fcstert er dir in der Nacht etwas zu. In seine \u00c4rmel sind so viele Geschichten gen\u00e4ht, und in seinen S\u00e4umen k\u00f6nnten viele Sch\u00e4tze auf dich warten. Seite 385<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Rezensionen<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/frauhauptsachebunt.de\/?p=2078\" target=\"_blank\">Frau Hauptsachebunt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/lesenist.com\/jakobs-mantel-eva-weaver\/\" target=\"_blank\">Lesen ist<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/pinkfisch.net\/jakobs-mantel-eva-weaver\/\" target=\"_blank\">Pinkfisch<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Buch Jakobs Mantel Originaltitel: The Puppet Boy of Warsaw \u00dcbersetzung von Werner L\u00f6cher-Lawrence Erschienen als Taschenbuch 393 Seiten ISBN: 978-3-426-30442-6 Erschienen im Droemer Verlag &nbsp; Inhalt New York 2009. Eines Tages, w\u00e4hrend eines Spaziergangs mit seinem Enkel, glaubt der alte Mika auf einem Plakat den Mantel seines Gro\u00dfvaters Jakob zu sehen. 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